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Hallo? Wo ist mein Bus?

„SUPER NICE“ war der Name der Busgesellschaft, die mich von Penang in Malaysia nach Singapur bringen sollte. Ich wusste, dass eine Busfahrt über eine Strecke von 700 Kilometern kein Vergnügen wird. Aber hätte ich geahnt, was ich in den kommenden 16 Stunden durchmachen würde, wäre ich mit meinem tauben Ohr wahrscheinlich doch lieber in den Flieger gestiegen. „SUPER NICE“ war es jedenfalls nicht …

Ich habe mich von Anfang an nicht ganz wohl gefühlt, als ich zum ersten Mal auf meiner Reise in einen Nachtbus eingestiegen bin. Denn ich war die einzige Mitfahrerin zwischen zwei einheimischen Busfahrern. Später stieg dann doch noch ein malaiisches Ehepaar ein.

Bus Marathon 1

Der Bus war bequemer als ich es erwartet hatte. Die Sitze konnte man fast bis zum Liegen verstellen, einziges Manko: Es gab wie so oft keine Toilette im Bus. Letztendlich war die aber auch nicht nötig, denn wir legten gefühlt alle zwanzig Minuten eine Pause ein.

Bus Marathon 2

Mit nur einer dreiviertel Stunde Verspätung ging die Reise um viertel vor zehn am Abend los. Nach einer Stunde gab es die erste wohlverdiehnte Pause: Die Busfahrer gönnten sich ein ausgiebiges Essen. Eine halbe Stunde lang stand der Bus mit offener Tür und laufendem Motor an der Raststätte. Gegen zwei Uhr, um halb vier und um sechs Uhr gab es weitere Pausen, bevor ich um halb acht mit einem „okay“ und einem Grinsen mitten an der Autobahn ausgesetzt wurde. Das „okay“ sollte heißen: „Jetzt ist der Moment gekommen den Bus zu wechseln“, wie ich Minuten später herausgefunden hab.

Bus Marathon 4

Der neue Bus war deutlich ekliger, die Klimaanlage tropfte von oben auf uns herab … Auch er kam nicht weit: Nach 20 Minuten hielt der Bus plötzlich mitten auf der Straße an. Alle sind ausgestiegen und waren mir meilenweit voraus als ich auf Nachfrage nur das Wort „Passport“ entgegen gebrüllt bekommen habe. Mehr W-Fragen wurden mir mal wieder nicht beantwortet, also ging ich die Straße entlang, irgendwelche Treppen hoch und kam tatsächlich an die Pass-Kontrolle. Leider darf man denselben Weg nicht wieder zurück laufen. Deshalb irrte ich die nächsten zwanzig Minuten durch die Gegend und suchte meinen Bus. Der hatte nämlich in der Zwischenzeit seine Position geändert und war von der Straße in die Tiefgarage gefahren. Es könnte hilfreich sein, einem so etwas mitzuteilen, liebe Leute.

Ein weitere Tipp am Rande: Man kann Ein- und Ausreisestellen auch zusammen legen. Ich hatte an dieser Passkontrolle nämlich nur den Ausreisestempel von Malaysia erhalten. Die Einreise erfolgte 20 Kilometer weiter. Also wieder rein in den Bus, fahren, anhalten und raus.

Mittlerweile war ich 12 Stunden unterwegs, doch das eigentliche Highlight sollte erst noch kommen: Weil ich zum ersten Mal nach Singapur einreiste, musste ich mich in die lange Schlange am Pass-Schalter einreihen. Alle anderen aus meinem Bus waren Malaien und scheinbar öfter hier. Sie liefen in wenigen Minuten durch die Kontrolle an einem separaten Schalter. Ich wartete über eine Stunde lang.

Bus Marathon 5

Als ich endlich wieder draußen war ging die Suche nach meinem Bus wieder von vorne los. Diesmal ohne Erfolg: Der Busfahrer hatte mich tatsächlich mit Sack und Pack stehen lassen, 30 Kilometer vor Singapur. Ich hatte solche Geschichten schon von anderen Travellern gehört, glauben wollte ich sie allerdings nicht. Bis heute.

Ich zeigte einem Beamten mein Ticket und fragte ihn, was ich jetzt machen kann. Er sagte nur ganz platt: Das kommt öfter vor, die Busfahrer warten nicht gern. Ich solle mit einem Shuttle für drei Dollar bis an die Stadtgrenze fahren und dann in die Öffentlichen umsteigen.

Bus Marathon 6

Nach 14 Stunden war ich körperlich total am Ende und platt. Und: Ich hatte noch keine Singapur-Dollar um ein weiteres Busticket zu bezahlen. Ohne die Hilfe einer wunderbaren Einheimischen wäre ich aus dieser Situation nicht heraus gekommen. Sie war etwa in meinem Alter, bezahlte mein Busticket und brachte mich zu einer U-Bahn-Station, von der aus ich mein Hostel erreichen konnte. Zwei Stunden per Bus und Bahn später war ich dann endlich in Singapur.

What a journey.

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