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Normales Leben vs. Nomadenleben

Kennt ihr das? Alle um mich herum heiraten im Moment oder bekommen Kinder. Sie kaufen sich ein schönes Häuschen im Grünen oder bauen sogar eines. Das ist alles so unglaublich erwachsen.

Und bei mir? Keine Spur von Erwachsensein. Im Gegenteil:

Ich bin fast 30 und habe bisher weder an Hochzeit noch an Hebammen oder Hausbau gedacht

Schlimmer noch: Ich bin schizophren.

Natürlich nicht wirklich aber manchmal fühle ich mich genau so. Als hätte ich zwei Persönlichkeiten: Eine Seite in mir wünscht sich ein normales Leben und die andere ein Nomadenleben. Wie Engelchen und Teufelchen sitzen diese Persönlichkeiten rechts und links auf meinen Schultern.

Ganz nah am linken Ohr flüstert das Engelchen:

„Du möchtest ein Leben führen wie dein Umfeld. Du möchtest sesshaft werden, einen festen Job, Kinder und einen Bausparvertrag.“

Auf der anderen Seite brüllt das kleine Teufelchen in mein rechtes Ohr:

„Du weißt, dass du nie mehr so frei sein wirst wie jetzt. Du willst hinaus in die Welt fliegen, auf alle Sicherheiten scheißen und dein Leben genießen. Just do it!“

Wer hat Recht?

Wer gewinnt dieses Battle: das brave Engelchen oder der wilde Teufel in mir? Diese Gedanken begleiten mich schon seitdem ich wieder in Deutschland bin und das Gebrüll der Persönlichkeiten von beiden Seiten in meine Ohren bereitet mir Kopfschmerzen. Ein Freund aus England, den ich während meiner Weltreise kennengelernt habe, hat mir dazu einen schönen Gedanken mitgegeben.

Er sagte: „It’s not about who wins and loses overall. It’s about accepting all the parts of you and letting them each have their own time. And certainly not letting them beat each other up. That way no one wins.“

Und ich finde er hat Recht: Es geht nicht darum wer das Battle gewinnt oder verliert. Es geht vielmehr darum alle Seiten der eigenen Persönlichkeit zu akzeptieren und jeder eine gewisse Zeit im Leben einzuräumen. Sie sollten sich nicht gegeneinander ausspielen. Nur so gewinnen alle Seiten – vor allem wir selbst.

Ich versuche also in Zukunft den Rat dieses besonderen Freundes zu befolgen und beide (bisher bekannten) Seiten meiner schizophrenen Persönlichkeit wahrzunehmen und zu akzeptieren.

Wie gelingt mir das?

Bisher taste ich mich langsam heran an diese neue Erkenntnis.

Ich schaffe mir im Moment Sicherheiten in meinem neuen Leben. Denn dass ich all mein Hab und Gut verkauft habe und mit einem Rucksack um die Welt gereist bin hat meine Persönlichkeit zwar verändert. Manche Eigenschaften sind aber tiefer verankert, zum Beispiel das typisch deutsche Sicherheitsbedürfnis.

Das habe ich noch immer und dagegen möchte ich mich auch nicht wehren. Denn es ist beruhigend eine gewisse Absicherung und Beständigkeit in seinem Leben zu haben. Im Moment stille ich dieses Bedürfnis mit einem Dach über dem Kopf …

Natürlich nicht so eines … Sondern mit einem festen Wohnsitz, einem tollen neuen Job und einem geregelten Einkommen.

Gleichzeitig gebe ich aber auch der teuflischen Seite in mir Raum

Sonst würde das tinitusartige Schreien im rechten Ohr auch viel zu laut werden! 😉 Ich möchte jede freie Minute und jeden gesparten Cent auch in Zukunft für tolle Reisen nutzen – ob in Form von Kurztrips oder des langen Jahresurlaubs.

Wie ist es bei euch?

Wie geht ihr mit euren Persönlichkeiten um? Wenn ihr spannende Erfahrungsberichte, eigene Ideen oder hilfreiche Tipps für mich habt schreibt sie gerne in die Kommentare oder schickt sie mir per E-Mail. Ich freue mich über jeden Austausch! 😉

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