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Mein Besuch im Tempel der Mönche

Auch wenn ich zugegebenermaßen kein sehr religiöser Mensch bin, war der Buddhismus ein Grund für mich nach Thailand zu reisen. Denn ich habe in den letzten Jahren zu wenig auf mich selbst, meine Bedürfnissen und meine Gesundheit geachtet.

Von der Lebensart der Buddhisten wollte ich mir deshalb ein bisschen was abgucken.

Tempel Chiang Mai

Um diesen Glauben noch besser verstehen zu können, habe ich im Tempel „Wat Suan Dok“ in meinem ersten Ort Chiang Mai mit Mönchen gesprochen. Sie studieren und leben dort und verbessern durch solche Gespräche mit Touristen ihr Englisch. Diese Gesprächsrunden sind eine einmalige Gelegenheit, denn normalerweise sprechen Mönche nicht mit Frauen.

Nur, wenn sie zum Beispiel auf offener Straße von ihnen um Hilfe gebeten werden. Mit mir zu sprechen haben die Mönche trotzdem als normal empfunden, haben sie gesagt.

Jules Monk

Ich war komplett überrascht: Erwartet hatte ich ein paar steife Typen, die versuchen würden mir ihren Glauben aufzuschwatzen. Stattdessen saßen dort fünf junge Studenten in ihren orangefarbenen Gewändern, die in einem gut verständlichen Englisch mit viel Humor auf jede Frage geantwortet haben. Sogar auf: „Glaubst du Buddha war ein Vegetarier?“ (Nein, das glauben sie übrigens nicht …)

Männer in Thailand dürfen selbst entscheiden, ob sie als Mönch leben wollen oder nicht

Der junge Student, mit dem ich geredet habe, hat sich dafür entschieden als er 20 Jahre alt war. Seine Familie sind Hindus, daher war der Wechsel für ihn nicht allzu schwer, meinte er. Er hat seine Heimat verlassen um in Thailand Mönch zu werden und die Lehre des Buddha zu studieren.

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Für ihn und die anderen Mönche gelten klare Regeln: Sie dürfen zum Beispiel nur das Nötigste besitzen und leben allein. Meine Frage, ob er sich nicht in einigen Jahren Frau und Kinder wünschen würde, konnte der Mönch gar nicht beantworten. Er lebe nur im hier und jetzt, meinte er. Über die Zukunft würde er sich keine Gedanken machen. Diese Gelassenheit ist beneidenswert – allerdings kein Leben für mich, die gerne jeden Schritt voraus plant 😉 Sollte sich ein Mönch aber irgendwann für ein Leben mit einer Familie entscheiden, kann er jederzeit aus dem Orden austreten.

Spannend fand ich auch die Tatsache, dass es regionale Unterschiede bei diesen Regeln gibt: Mönche in Thailand dürfen zum Beispiel Fleisch essen, meinte er. Das sei in anderen Gegenden streng verboten. Mich unruhiges Plappermaul hat natürlich auch das Meditieren interessiert. Einige Jahre würde es dauern, meinte der Mönch, bis man die Technik komplett verinnerlicht hat. Dann sei es möglich mit den richtigen Klängen innerhalb von nur wenigen Minuten in Trance zu verfallen. Beneidenswert: Ich kann nicht mal zwei Minuten still sitzen und schon gar nicht dabei an nichts denken …

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Diese innere Ruhe und diese Gelassenheit strahlen die Mönche auch im Gespräch aus. Ich habe schon nach wenigen Minuten in einem gemeinsamen Raum gespürt, dass tatsächlich auch ich mal ruhiger wurde. Der Mönch und ich sind auch auf das Thema Gewalt zu sprechen gekommen. Kriege und derartige Auseinandersetzungen könne er nicht verstehen, meinte er. Im Buddhismus gäbe es dieses Denken nicht. Schon zu Beginn unseres Gesprächs fragte er mich: „Gehts dir gut?“ Ich antwortete: „Ja, danke.“ Und er sagte daraufhin: „Schön. Denn wenn du glücklich bist, bin ich es auch.“ Dabei grinste er mich zufrieden an.

Man muss ihren Glauben nicht unbedingt teilen. Aber die Einstellung der Mönche hat mich beeindruckt und inspiriert.

Einer der Leitsprüche des Buddhismus gibt diese Idee gut wieder:

„Niemals hört Hass durch Hass auf. Hass hört durch Liebe auf.“

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