Hallo Bangkok

Keine Frage: Ich liebe Großstädte! Trotzdem habe ich mich bewusst ganz vorsichtig an Bangkok heran getastet. Denn alle haben mich vor dem Kulturschock  gewarnt, der mich dort erwartet: Vor den Gerüchen, dem Chaos und der Hitze.

Deshalb bin ich zuerst in den ruhigen, ländlichen Norden gereist. Doch jetzt, nach zwei Wochen in Thailand, hab ich mich in den Großstadt-Dschungel gewagt. Und: Ich bin positiv überrascht. Ich liebe diese Stadt. Sie ist voller Gegensätze: Moderne Hochhäuser,  Universitäten, Regierungsgebäude und riesige Einkaufszentren stehen neben einfachen und teils kaputten Betonhäusern. Neben den mehr als acht Millionen Einwohnern tummeln sich gefühlt noch mal mindestens genauso viele Touristen in den Straßen. Hunderte gold glitzernde Tempel erreicht man durch kleine Gassen, in denen Thailänder Streetfood oder Souvenirs verkaufen. Laute Tuk-Tuks und kaputte Busse teilen sich mit teuren Autos die Straßen. Purer Wahnsinn.

Wo wir schon beim Thema Straßen sind: Ich glaube nicht, dass es in Bangkok oder generell in Thailand Verkehrsregeln gibt. Auch keine Bußgelder oder Blitzer. Busse und Minivans erfinden zusätzliche Spuren, es gibt keine intakten Anschnallgurte und die Fahrer hängen ständig am Handy. Taxen nehmen wahllos auch gerne sechs Personen auf dem Rücksitz mit und Rollerfahrer und Tuk-Tuks schlängeln sich an roten Ampeln durch die wartenden Autos.

Was in New York die typischen gelben Taxen sind, sind in Bangkok übrigens bunte: Überall in der Stadt sieht man die gelben, grünen, orangenen und sogar pinken Taxen. Die Stadt ist insgesamt sehr bunt: Auch die Fassaden der Häuser sind bemalt und überall hängen Reklametafeln.

Nachdem mein letztes Hostel ein Griff ins Klo war, habe ich mir diesmal eines mit schönem Klo ausgesucht! (Und mit Frühstück und Dachterasse) Außerdem liegt es etwas abseits des Zentrums und nicht mitten in der Partymeile, wo die meisten Backpacker unterkommen. Wie gesagt: Ich bin zu alt für sowas und definitiv sehr zufrieden mit dieser Entscheidung 😉

Ich habe den Tag mit Safura aus Malaysia verbracht. Es ist immer wieder lustig mit Menschen aus anderen Kulturkreisen unterwegs zu sein: Ich habe blöd geschaut, als sie ihr Essen zermatscht und mit den Fingern isst. Sie hat mich dagegen ausgelacht, als ich mein verbranntes Gesicht mit After-Sun eingerieben habe. “Was ist das und wer braucht sowas?” 😉

Zwei Tage reichen völlig aus, um Bangkok und die beliebtesten Sehenswürdigkeiten kennenzulernen. Ich bin zuerst mit dem Skytrain (ähnlich wie unsere S-Bahnen) zu einer Anlegestelle am Chao Phraya River gefahren. Bangkok auf dem Wasser zu erkunden macht nämlich doppelt so viel Spaß. Per Boot ging es dann in einem ähnlich rasanten Tempo wie auf den Straßen zum Königspalast, dem Wahrzeichen der Stadt.

Der Eintritt von umgerechnet 15€ kann sich sehen lassen, die Tempel und Paläste allerdings auch. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war dort noch die Sitz der Königsfamilie. Heute werden in den Gebäuden u.a. Staatsgäste empfangen.

Die übrigen Sehenswürdigkeiten habe ich mit dem Bus abgeklappert: Denn eine Fahrt kostet zwischen 0,30 und 0,90 Cent und die Tuk-Tuk Fahrer verlangen bis zu 6 Euro! Wie sehr sie bei den Preisen pokern hat sich gezeigt, als ich nicht auf das Angebot einen Fahrers eingegangen bin. Er wollte mich zuerst für 250 Baht an mein Ziel bringen, am Ende hat er sich allerdings bis auf 40 Baht herunter handeln lassen. Ich wollte trotzdem nicht mitfahren. Denn er wollte mich auf dem Weg noch in ein Einkaufszentrum oder auf einen Markt fahren. Das machen viele Fahrer, man müsse dort “nur kurz gucken nichts kaufen”, damit sie ihre Provision kassieren können.

Eine Begegnung hat mich heute besonders gerührt: Ich wusste nicht, wo die nächste Busstation ist und ob ich von meinem Standort überhaupt ohne viele Umstiege ans andere Ende der Stadt komme. Buspläne gibt es nicht und wenn doch zeigt die Tafel netterweise alle 70 Verbindungen, die Bangkok zu bieten hat – und nicht ausschließlich die Linien, die an dieser Haltestelle halten. Also habe ich mich durchfragen wollen, aber wie so oft habe ich niemanden gefunden, der Englisch spricht. Aber: Die Thailänder versuchen trotzdem immer zu helfen. Eine ältere Dame hat sich mein Ziel von mir auf der Karte zeigen lassen. Sie nickte, zeigte auf die Haltestelle und streckte mir acht Finger entgegen. In diesem Moment bog der Bus mit der Nummer 8 um die Ecke und die alte Dame sprang völlig aufgeregt und grinsend aus ihrem Wartesitz auf. Sie freute sich mehr darüber, dass mein passender Bus kommt als ich! 😉

Der Bus hat zur Feierabendzeit zwar fast eine Stunde gebraucht aber: Ich wurde für einen Euro bis vor die Haustür gefahren 😉 Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Thai ist wirklich nicht zu übertreffen. Hier geht dir niemand aus dem Weg oder wimmelt dich ab wenn du eine Frage hast – das habe ich in deutschen und anderen Städten schon deutlich anders erlebt.

Um einen schönen Blick über die Stadt zu bekommen bietet sich die Rooftop-Bar an, ich habe mich aber nach einem kurzen Gespräch mit Einheimischen dazu entschieden, die kulturellere Variante zu wählen: Und bin in der Hitze 344 Stufen den “Golden Mount” hoch gelaufen. Und wer mich kennt, kennt auch meine Einstellung zu Treppenstufen 😉 Aber für diesen Ausblick hat sich der Extremsport gelohnt.

Den Abend verbringt man auf einen der unzähligen Märkte, am Wochenende finden die schönsten Stadt. Hier gibt es wirklich alles zu unschlagbaren Preisen – zum Beispiel die H&M Cardigans für umgerechnet 3,85 €.

Das Nachtleben findet auf der Khaosan Road statt. Früher war sie eine belebte Handelsstraße, benannt nach dem ungekochten, weißen Reis: Khaosan. Heute reihen sich hier Backpacker-Hostels und Bars aneinander. Würde man in jeder Bar einen Drink trinken wollen, wäre man sicher einige Wochen beschäftigt 😉

Bangkok hat mich echt umgehauen, im wahrsten Sinne des Wortes: Hier staut sich die Hitze zwischen den Hochhäusern, mittags ist es unerträglich heiß. Was mich allerdings nicht davon abhält jeden Tag den Fehler zu begehen, Mittags ohne Hut und Sonnencreme durch die pralle Sonne zu laufen und mich dann zu wundern, warum ich k.o. bin 😉

Bangkok entspricht allerdings nicht unserem Ideal von einer “schönen Großstadt”. Sie sieht nicht so gepflegt und malerisch aus wie Berlin, Singapur oder New York City. Die Stromkabel führen offen über den Straßen entlang, Häuser sind oft ohne Fenster sehr offen gestaltet, Reklametafeln stehen auf meterhohen, fetten Gerüsten, wie du sie in Deutschland höchstens an der BER-Baustelle siehst.

Die Schienen des Skytrain werden von dicken, grauen Betonpfeilern gestützt, sodass die Stadt überdacht zu sein scheint. Zu jeder Tageszeit sind die Straßen überfüllt, es ist laut und ziemlich dreckig. Nebendran wird an Streedfood-Ständen gekocht, Fritösen-Fett und Essensreste werden in die Gullis geschüttet, es stinkt bestialisch.

Einen Preis für Schönheit im europäischen Sinne verdient Bangkok wirklich nicht. Aber einen für Kreativität. Dann noch jeweils einen für kulturelle und spirituelle Inspiration und drei für die Herzlichkeit seiner Bewohner. Und wenn ich die Unfallstatistik vorliegen hätte wahrscheinlich auch einen für jeden Schutzengel, der dafür sorgt, dass jeder Abends gesund zu Hause ankommt.

Bangkok, meine Perle: Ich würde jederzeit wiederkommen und empfehle jedem, diesen Wahnsinn einmal im Leben mitzumachen 😉

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