Wie ich zum Reisen kam

Abitur, Studium, Karriere, Burnout.
Das ist die Kurzversion der Geschichte hinter meiner ersten Weltreise im Jahr 2016.

Aber es ist nur eine Geschichte von ganz vielen! Denn während ich reise, treffe ich so viele tolle Menschen. Und jeder von ihnen bringt seine ganz eigene Geschichte mit. Als Journalistin interessiere ich mich für jede einzelne davon – auch für Deine! Und als Moderatorin möchte ich diese Geschichten nicht nur zum Nachlesen niederschreiben, sondern auch zum Nachhören als Podcast einsprechen – zusammen mit Dir!

Meine Podcast-Interviews sind emotional und individuell. So wie die Geschichten hinter unseren Reisen ❤  Teile auch Du Deine Geschichte mit mir und allen, die Interesse daran haben. Damit wir gemeinsam andere Menschen dazu motivieren können, den mutigen Schritt in ein neuen Leben zu gehen.

Und das hier ist die lange Version meiner Geschichte:

„Es gibt ein Leben VOR dem Tod, Frau Meyer!“
Mit diesem Satz hat mich mein Arzt im Sommer 2015 wach gerüttelt.

Zu diesem Zeitpunkt war ich eine Sprinterin. Ich lief seit meinem Abitur: Zuerst auf die Bretter, die die Welt bedeuten – in den Theaterhäusern in Hamburg und im Ruhrgebiet. Danach zum Studium nach Berlin. Mit drei Nebenjobs kam ich über die Runden. Aber auch danach wartete auf mich als Kind der „Generation Praktikum“ kein gut bezahlter erster Job, sondern zunächst drei Praktika.

Für meinen Traumjob beim Radio lief ich weiter nach Frankfurt am Main, Nürnberg und München. Durch meine Arbeitsverträge blieb ich nie länger als zwei Jahre an einem Ort. Ich schlug keine Wurzeln, baute keine engen Beziehungen auf.

Ich wechselte die Arbeitszeiten wie Hotels die Handtücher

Von der Frühschicht in die Spätschicht, wochentags und am Wochenende, ohne Pause und ohne Kompromisse. Ständig mit dem Gefühl: Du bist nicht ersetzbar. Ohne Dich bricht der Laden zusammen. Ein Irrglaube, den viele Chefs Ihren Angestellten vermitteln – in jeder Branche.

Meinen Job als Nachrichtensprecherin liebte ich über alles, die Hörerzahlen waren gut und mein Chef mit meiner Arbeit zufrieden.Newsjunkee Julia Meyer Bloggerin 01

Doch die vielen negativen Meldungen begleiteten mich bis weit in den Feierabend hinein. Denn Nachrichten schlafen nicht. Sie begegnen dir auf Fernsehern im Fitnessstudio, auf Bildschirmen in der U-Bahn, beim kurzen Blick aufs Handy und in Gesprächen mit Freunden.

Stress hat viele Gesichter

Jeder Körper reagiert anders auf lang anhaltende, stressige Situationen. Zu meinen ersten Symptomen gehörten Schlafprobleme. Kein Wunder: Ich stand mittlerweile das vierte Jahr in Folge regelmäßig nachts um 03:33 Uhr auf. (Den Tick mit den Schnapszahlen hab ich schon immer) Immer öfter ging ich zur Arbeit ohne eine einzige Stunde geschlafen zu haben. Der Schlafmangel machte sich bemerkbar: Ich hatte kaum noch Hungergefühle, wurde träge und lustlos, ich verschlief Verabredungen am Wochenende und bekam selbst eine spontane Party in meiner WG nicht mit – ich hatte einen nahezu komatösen Zustand erreicht.

Zu den Schlafstörungen gesellten sich ganz schnell starke Rücken- und Kopfschmerzen. Ich hatte mit unreiner Haut zu kämpfen, bekam in immer kürzeren Abständen Lippenherpes, mein Herz raste und ein ständiges Zucken in meinem Auge machte mich verrückt.

Mittlerweile konnte ich in sämtlichen Münchner Arztpraxen einen Zweitwohnsitz anmelden

Auf der Suche nach der Ursache dieser körperlichen Anzeichen verbrachte ich mehr Zeit in Arztpraxen als zu Hause: Ständige Bluttests und diverse Untersuchungen – ohne Befund. Ich wechselte die Ärzte, holte zweite Meinungen ein und hielt doch mein Tempo. Ich lief immer weiter … Tag für Tag …

Ein ganzes Jahr verging bis ich tatsächlich reagiert habe. Ein Jahr, in dem ich immer wieder einzelne Tage krank geschrieben war – ich sammelte gelbe Scheine wie andere Pokémon-Karten. Aber ich blieb nie lange zu Haus. Denn ich bin Perfektionistin. Für mich bedeutet krank sein: Den Erwartungen nicht zu entsprechen … zu versagen.

Kurz vor meinem ersten, längeren beruflichen Ausfall griff mein Körper zu seiner letzten und härtesten Waffe: Er bereitete mir Magenprobleme und quälte mich mit ständiger Übelkeit. Dieses Mittel zeigte endlich Wirkung. Ich hielt zum allerersten Mal an und nahm meinen Körper bewusst wahr. Er schrie um Hilfe. Und endlich konnte ich ihn hören.JulesInsel

Unter den vielen Ärzten, die ich in dieser Zeit kennenlernte, war ein Allgemeinmediziner, der mir überspitzt gesagt mein Leben gerettet hat. Ein Arzt, der kein Ultraschall brauchte um zu sehen, dass ich mit meiner derzeitigen Lebenssituation komplett überfordert war.

“Burnout? Aber ich bin doch erst 28!”

Im Sommer 2015 fragte er mich den Satz, der mich wachrüttelte: „Es gibt ein Leben VOR dem Tod, Frau Meyer. Das wissen Sie, oder?“ Nein, das hatte ich vergessen.

Ein Leben neben der Arbeit hatte ich bei meinem Sprint in den letzten Jahren aus den Augen verloren. Durch meinen Job in der Frühschicht unternahm ich kaum etwas mit meinen Freunden. Während sie nach Feierabend gemeinsam essen gingen, fiel ich ins Bett. Während sie am Wochenende feierten, schlief ich vor Erschöpfung ein. Auf die Frage nach meinen Hobbys hatte ich keine Antwort parat: Essen und schlafen. Etwas anderes tat ich neben meiner Arbeit nicht.

Die Diagnose traf mich wie ein Schlag ins Gesicht

Burnout. Ich war ausgebrannt. Und das mit gerade einmal 28 Jahren – nach nur vier Berufsjahren. Wie sollte ich so die Zeit bis zur Rente schaffen? Für mich brach eine Welt zusammen. Meine Welt! Eine Welt, die bis dahin nur aus meinem Job bestand.

Vier lange Monate war ich nicht arbeitsfähig – und doch arbeite ich jeden Tag: An mir selbst. Wie tief ich damals schon in meinen krankhaften Verhaltensmustern gefangen war, wurde mir erst klar, als ich endlich den Pause-Knopf gedrückt hatte. Aus der lebenslustigen, lauten, frechen Frau, die ich einmal war, war eine ruhige, traurige Person geworden.

Ich wollte alleine sein. Ich fühlte mich jeden Tag krank, meine Glieder schmerzten so heftig, dass ich nie wieder aufstehen wollte. Ich hatte keine Kondition mehr, selbst kurze Strecken auf dem Fahrrad fühlten sich für mich an wie ein Marathon. Ich weinte viel und verkroch mich in meinem Selbstmitleid. In Menschenmassen fühlte ich mich unwohl, ich konnte nicht mehr mit der U-Bahn oder dem Bus fahren. Ich war mit alltäglichen Situationen überfordert und hatte jeglichen Spaß am Leben verloren.

Ich ging zwei Schritte vor und drei zurück

In dieser schwierigen Phase kam mir meine große Klappe endlich mal zu Gute! Denn ich tat etwas, was heutzutage leider noch nicht üblich ist: Ich redete. Ich machte meine Krankheit öffentlich: Vor meiner Familie, vor meinen Freunden, vor meinen Kollegen und auch vor der Chefetage. Ich holte mir auch professionelle Hilfe bei einer Therapeutin.

Während meiner Therapie zog ich mich aus meinem bisherigen Alltag zurück. Ich stellte meine Ernährung um, verzichtete monatelang auf Alkohol und zwang mich zu viel Bewegung an der frischen Luft. Ich kämpfte mich aus depressiven Phasen zurück und lernte mit Rückschlägen umzugehen. “Dann drehen wir halt noch eine Runde” – sagte meine Therapeutin immer dann, wenn ich in alte Verhaltensmuster zurück fiel. Wenn ich wieder mal eine Aufgabe an mich riss und nicht “Nein” sagen konnte. Wenn ich wieder mal ein schlechtes Gewissen hatte, weil ich mich krank melden musste. Wenn ich wieder mal anfing mich mit anderen Personen zu vergleichen.

Ich musste eine Entscheidung treffen

Die bisher schwerste in meinem Leben. Denn die Krankheit zog sich nur schleichend zurück – genauso wie sie gekommen war: Ganz langsam wie eine Schnecke, die eine sechsspurige Straße überquert. Erst nach einigen Wochen ging es mir körperlich etwas besser. Bis ich meinen normalen Schlafrhythmus wieder hatte vergingen sogar Monate.

Mein psychischer Zustand stabilisierte sich erst, als ich meine Entscheidung getroffen hatte: Ich kündigte meinen Traumjob.

Denn meine eigenen Werte hatten sich stark verändert. Meine bis dahin so wichtige Arbeit war in den Hintergrund gerückt. Stattdessen nahmen meine Familie und meine Heimat wieder einen Platz an vorderster Stelle ein. Und ICH selbst. Ich hatte beschlossen mir mein Leben zurück zu holen.

Im Herbst 2016 kündigte ich nicht nur meinen Job, ich kündigte auch meine Wohnung, verkaufte meine Möbel und buchte ein One-Way-Ticket ans andere Ende der Welt. Fünf Monate reiste ich alleine um die Welt. Ich lernte viel über andere Länder, Menschen und Traditionen. Doch am meisten lernte ich über mich selbst.

Beim Bergsteigen merkte ich, wie viel Power noch in meinem Körper steckt. Beim Fallschirmspringen wurde mir klar, wie mutig ich bin. Völlig auf mich allein gestellt durchlebte ich wieder Höhen und Tiefen, doch diesmal konnte ich sie selbst steuern. Ich war noch lange nicht an meinen Grenzen angekommen.

Am anderen Ende der Welt fand endlich wieder zurück zu mir selbst. Seitdem nehme ich mir mehr Zeit für mich und reise in jeder freien Minute um die Welt. Immer im Gepäck dabei: Meine Kamera und mein Aufnahmegerät.

Denn während ich reise, treffe ich so viele tolle Menschen. Und jeder von ihnen bringt seine ganz eigene Geschichte mit. Ich interessiere mich für jede einzelne davon – auch Deine! Teile Deine Geschichte mit mir und allen, die Interesse daran haben. Damit wir gemeinsam andere Menschen dazu motivieren können, den mutigen Schritt in ein neuen Leben zu gehen.

Auf meinem Blog kannst Du diese Reisegeschichten nicht nur lesen, sondern auch hören! Meine Podcast-Interviews sind emotional und individuell. So wie die Geschichten hinter unseren Reisen ❤

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