Mit dem Boot durch Kambodscha

Eine Busfahrt durch Asien ist schon ein Abenteuer: Für eine Strecke von 400 Kilometern kann man schon gerne mal einen ganzen Tag einplanen.

Eine Bootsfahrt toppt das ganze allerdings noch!

Für die rund 200 Kilometer lange Strecke von den Tempeln in Siem Reap nach Battambang hat unser Boot acht Stunden gebraucht.

Bei Hochwasser schafft es die Strecke aber auch in einer Rekordzeit von fünf Stunden. 😉Battambang 2

Auch wenn der Bus doppelt so schnell ist und halb so teuer bin ich im Nachhinein froh darüber, Boot gefahren zu sein. Denn ich habe nur eine Woche in Kambodscha verbracht. So konnte ich trotzdem einen Eindruck von Land und Leuten bekommen.

Mit rund 15 Backpackern war das Boot beim Start in Siem Reap schon gut voll, dachte ich. Die Einheimischen denken da allerdings etwas anders. 😉 Sie nehmen auf dem Weg noch weitere Passagiere auf, bringen Lebensmittelkisten mit oder liefern Pakete aus.

Ich habe die ganze Fahrt über oben an Deck verbracht und mir dabei mal wieder den Sonnenbrand meines Lebens geholt. Aber nach rot kommt braun oder wie sagt man so schön? 😉Battambang 5

An Deck zu sitzen war der absolute Wahnsinn. Den Fahrtwind im Gesicht zu spüren, die Gerüche und Geräusche wahrzunehmen und die vielen Menschen zu sehen. Sie leben entlang des Sangker Rivers in schwimmenden Dörfern, die immer wieder ganz plötzlich aus dem Nichts vor uns auftauchten. Einfache Hütten stehen am Ufer oder sogar auf Pontons IM Wasser.Battambang 3

Völlig abgeschnitten von der Außenwelt, ohne Strom und sauberem Wasser meistern die Menschen dort ihren Alltag. Fischer hängen ihre Netze aus und teilen den schmalen Fluss mit Plastikflaschen, die an der Oberfläche schwimmen, in einzelne Bereiche auf.

Kinder spielen neben den Hütten oder planschen in der dunklen, braunen Brühe

Sie winken und rufen uns etwas zu wenn wir an ihnen vorbei fahren. Jungs helfen ihren Vätern beim Fischen oder sind schon in jungen Jahren allein in Booten unterwegs.Battambang 6

Aber neben all der beeindruckenden Schönheit der Natur war es auch sehr bedrückend zum ersten mal diese einfache Lebensweise zu sehen.

Die Armut, die Kambodscha noch immer ausmacht

Holzhütten, die nur mit Stoffen geschützt sind, schwimmen auf dem Wasser oder stehen auf wackligen Holzpfählen am Ufer.

Während wir langsam durch die schwimmenden Dörfer gefahren sind, kamen von allen Seiten Familien in ihren Booten auf uns zu. Einige wollten sich Lebensmittel abholen, die wir für sie dabei hatten. Andere wollten einsteigen und mit uns in die nächste Stadt fahren.

Bei uns an Deck war in der Zwischenzeit Panik ausgebrochen: Denn der Kapitän war eine Abkürzung gefahren. Es ist mir eh schon ein Rätsel, wie er acht Stunden lang durch Flüsse gefahren ist und genau wusste, wann er welche Abbiegung nehmen musste … Die Abzweigung, die er diesmal gewählt hatte, war allerdings nur etwa einen halben Meter breiter als unser Boot. Deshalb sind wir ständig rechts und links durch Büsche gefahren und mussten immer wieder Ästen ausweichen.

Das war auch ziemlich lustig, allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt als wir riesige Spinnen knapp über unseren Köpfen in den Ästen entdeckt haben. Ich übertreibe nicht:

Diese Spinnen waren so groß wie eine hübsche, ausgewachsene Männerhand!!

Ein Mädchen hinter mir hat plötzlich ziemlich laut geschrien, weil eine Spinne auf sie runter gefallen ist 😉 Gott sei Dank hat es nicht mich getroffen, ich hab mich ab diesem Moment trotzdem vorsichtshalber mal mit meiner Sandale bewaffnet …Battambang 10

Als wir nach acht Stunden endlich unser Ziel Battambang erreicht hatten, war die nette, ruhige Idylle auf See wieder vorbei.

Am Ufer warteten rund zwanzig Tuk-Tuk-Fahrer

Um uns ihre Dienste aufzuschwatzen. Da mussten wir jetzt durch …

Ich war eigenwillig wie immer und war mir sicher, dass ich den Weg zu meinem Hostel alleine finde … Nachdem ich zehn Minuten mit meinem Backpack in irgendeine Richtung gelaufen war, hielt ein Rollerfahrer an und nahm mich für 1000 Riehl mit. Das sind umgerechnet etwa 22 Cent, das konnte ich gerade noch verkraften. 😉

Mein Besuch in Kambodscha war zwar nur sehr kurz aber trotzdem sehr schön. Ich habe die Freundlichkeit der Menschen erlebt, tolles Essen gegessen, die mächtige Kultur und die wahnsinnig schöne Landschaft gesehen.

Dieses Land wird mich sicherlich noch mal wieder sehen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.