Reisealltag: Was vermisst du am meisten?

Diese Frage wird mir sehr oft von anderen Reisenden gestellt. Und sie ist deutlich leichter zu beantworten als: „Weißt du denn schon was du machst, wenn du wieder in Deutschland bist?“ 😉

Natürlich war mir vor meiner Reise bewusst, dass ich einige Zeit meine Ansprüche runter schrauben und mich komplett umgewöhnen muss.

Aber darauf, dass mich eine Achtzehnjährige „verwöhnte Göre“ nennt, war ich trotzdem nicht vorbereitet.

Ich kam gerade aus Asien in Australien an und hatte zum ersten Mal seit drei Monaten wieder Leitungswasser getrunken. Im Zimmer fragte mich dann eine Freundin: „Kann man das Wasser hier trinken?“ Und ich sagte: „Es schmeckt ziemlich nach Chlor …“ Daraufhin sagte das mir völlig fremde Mädel im Zimmer: „Wenn man keine verwöhnte Göre ist kann man das ohne Probleme trinken. Mach ich schon seit Wochen!“

Danke dafür.

Ich verwöhnte Göre vermisse aber nicht nur gutes Leitungswasser …

Wer jetzt allerdings gehofft hat seinen Namen an dieser Stelle zu lesen den muss ich erstmal enttäuschen. Am meisten vermisse ich nämlich tatsächlich mein gewohntes Essen, vor allem frisch gebackenes Brot. Seit fast einem halben Jahr ernähre ich mich jetzt schon überwiegend von Toastbrot. Und: Nudeln!

Die sind in Australien und Neuseeland nämlich eines der günstigsten Lebensmittel. Seit ich in Ozeanien bin koche ich jeden Tag selber, denn auswärts essen ist ähnlich wie bei uns in Deutschland viel zu teuer. Ich ernähre mich zwar deutlich abwechslungsreicher als viele Backpacker, trotzdem kann ich Nudeln und auch Reis langsam nicht mehr sehen! 😉

Als erstes steht also ein großer Brunch auf meiner Wunschliste: mit Familie, Freunden, einem riesigen Milchkaffee und allen Leckereien, die ich so lang nicht mehr gegessen habe. Ihr könnt euch schon mal an diesen Blick gewöhnen:

So habe ich nämlich geschaut, als ich nach 12 Wochen zum ersten Mal Käse gegessen habe! 😉

Neben dem gewohnten Essen vermisse ich vor allem mein Bett. Wobei ich korrekterweise sagen muss „ein Bett“, denn mein eigenes habe ich vor meiner Reise verkauft …

Nach so vielen Nächten im Zelt, auf Flughäfen, in Bussen oder durchgelegenen Hostelbetten in gemischten Zwölferzimmern gibt es nichts schöneres als die Aussicht auf Gemütlichkeit und ein bisschen Privatsphäre ohne Schnarcher, die es hier garantiert in JEDEM Zimmer gratis dazu gibt.

Nachdem die überlebenswichtigen Dinge Essen und Schlafen also geklärt wären komme ich auch schon zu euch! 😉 

Um diese Tatsache muss ich nicht herum reden: Natürlich vermisse ich meine Familie und meine Freunde. Sogar sehr!! Ich genieße zwar die Flexibilität, die ich als Alleinreisende unterwegs habe, aber viele Momente sind so schön (oder manchmal auch so schrecklich), dass ich meine Liebsten gerne dabei hätte.

Ich freue mich darauf wieder Zeit mit Menschen zu verbringen, denen ich mich nicht erst vorstellen muss. Bekannte Stimmen zu hören und tiefer gehende Gespräche führen zu können. Ich bin gespannt auf eure Erlebnisse und Geschichten: Auf Heiratsanträge, die ich verpasst habe. Auf neue Wohnungen und Häuser, die bezogen wurden. Und auf einen großen Babybauch in meiner Familie! 🙂

Gleich nachdem ich in (m)einem gemütlichen Bett aufgewacht bin, ausnahmsweise länger als fünf begrenzte Minuten warm geduscht habe und mir beim Brunch mit euch den eh schon dickeren Bauch vollgeschlagen habe, freue ich mich darauf bei dm und Rossmann sinnlos mein Geld für Luxusartikel auszugeben. Ja, jetzt wird es mädchenhaft, obacht! 😉 

Nach einem halben Jahr ohne Schminke und Haarspülung möchte ich mich endlich mal wieder schick machen, mir die Haare färben und die Fingernägel lackieren. Mädels, ihr wisst sicher was ich meine. Ich freue mich auch darauf endlich mal wieder andere Klamotten anzuziehen als die drei Teile, die ich dabei habe! 😉

Auch wenn meine Reise mit fünf Monaten deutlich kürzer ist als die vieler anderer Backpacker, möchte ich nicht viel länger am Stück unterwegs sein. Denn ich vermisse nach meiner Auszeit eine gewisse Regelmäßigkeit in meinem Leben.  In den letzten Monaten wusste ich morgens meistens noch nicht, wo ich abends schlafen werde, was ich esse und wohin es mich danach treiben wird. Ich freue mich auf eine feste Bleibe, darauf, keine Unterkunft oder Mitfahrgelegenheit organisieren zu müssen. Und – man höre und staune – auf einen neuen Job. Denn reisen ist eine wunderbare Erfahrung, aber mich stellt das ziellose Umherwandern langfristig nicht zufrieden. Ich freue mich auf neue Aufgaben und Ziele.

Apropos: „Weißt du denn schon was du machst, wenn du wieder in Deutschland bist?“

Nein.

Aber ich bin genauso gespannt auf die Antwort wie ihr und ich werde es euch wissen lassen, sobald ich es weiß. 😉

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