Reisealltag: Ich bin zu alt für sowas

Heute gibt es zur Abwechslung mal einen Wohlfühltext für euch. Bisher habe ich meinen Trip nur von derzeit besten Seite gezeigt. Ich habe euch Bilder und Geschichten zum neidisch werden unter die Nase gerieben, so wie der Kollege Zuckerberg es in den Facebook-Regeln vorgesehen hat. Ich weiß aber auch wie nervig es sein kann, wenn man selbst täglich seinem Alltag nachgeht und der nächste Urlaub noch gefühlte Jahre entfernt ist.

Deshalb gibt es heute die Wahrheit: Leudde, ich bin zu alt für sowas.Rastas

Im Ernst: Mein erster Hostel Fehlgriff bei den Rastas in Pai war meiner eigenen Spontanität geschuldet. Wer nachts um zwei Uhr entscheidet bei Sonnenaufgang spontan in einen der beliebtesten Touristenorte fahren zu wollen, ist selbst Schuld wenn er kein vernünftiges Zimmer mehr abbekommt.Thai Food

Aber das Hostel, in dem ich in den letzten zwei Nächten residieren durfte, habe ich mir selbst ausgesucht. Warum? Weil 243 Rezensionen auf einer beliebten booking-Seite meinten: Die Pizza dort aus dem eigenen Steinofen sei die allerbeste in Thailand! Das überzeugt mich nach 10 Tagen Thai-Food. Ich vermisse deutsches Essen, vor allem unser Frühstück. Ich ernähre mich von süßen Croissants in Plastiktüten. Die Pizza überzeugt mich so sehr, dass ich die Kommentare, in denen es um steinharte Matratzen und kaltes Wasser geht, gekonnt ignoriere.Hostel Sukhothai

Zwei Tage lang war ich der einzige Gast in diesem Hostel – abgesehen von den Flöhen, die meinten mit mir im Bett schlafen zu dürfen. (Sie waren zuerst da, was sollte ich also machen?) Das Wasser … war wie angekündigt kalt. Nicht überraschend und bei 34 Grad hat mich das auch nicht wirklich gestört. Aber das Bett kam schon sehr nah an meine eigene Hygiene-Schmerzgrenze. Ich habe ein Handtuch als Bettlaken benutzt und das Kopfkissen in ein anderes Handtuch eingewickelt. Jetzt verstehe ich warum mir so viele Backpacker geraten haben ein Schlafsack Inlay mitzunehmen …

Die Pizza sollte alles wieder raus reißen – doch ich bin an einem Montagabend angereist. Und da ist das hauseigene Restaurant geschlossen, sagte mir der Besitzer. Also habe ich mich auf Dienstagabend gefreut, trotz des Ekel-Bettes. Aber auch Dienstag war das Restaurant dicht. Ich fragte nach, aber das Hausmädchen konnte kein Englisch. Der Besitzer des Hostels und seine Frau waren nicht da, ich konnte aber mit ihnen am Telefon sprechen. Leider habe ich kaum ein Wort von ihrem gebrochenen Englisch verstehen können. Deshalb fragte ich ständig nach der super Steinofen-Pizza, die mir gestern noch angepriesen wurde.

Im Nachhinein schäme ich mich, denn mir war das Ausmaß der Geschichte in dem Moment noch nicht bewusst: Noch in der Nacht ist der Besitzer des Hostels nach Bangkok gebracht worden. Er sitzt dort in Haft und hat Probleme mit seinen Papieren. Er wird wohl ausgewiesen werden, hat mir seine Frau heute unter Tränen erzählt. Sie müsse nun lernen die Geschäfte zu führen, denn das Hostel haben sie erst seit einiger Zeit.

Wie unwichtig plötzlich diese Pizza wird und wie unangenehm, dass ich ständig danach gefragt habe …img_20160907_144517

Urlaub ist das, was ich hier tue sicher nicht – schon gar nicht in der Regenzeit 😉 Es ist stressig jeden zweiten Tag den Ort und die Unterkunft zu wechseln. Nie zu wissen, was dich erwartet. Darauf zu vertrauen, dass es schon irgendwie weiter geht. Und deine bisherigen Gewohnheiten abzulegen: Beim Essen, beim Schlafen, beim Reisen, in deinem kompletten Tagesablauf.

Aber es sind tolle, wichtige Erfahrungen, die mich jeden Tag einen Schritt weiter bringen. Für mich ist es die erste Reise dieser Art und ich beginne erst jetzt langsam mich selbst und meinen Reisestil kennenzulernen. Wann spare ich Geld und wann investiere ich vielleicht doch mal einen Groschen mehr? Was esse ich und was lieber nicht? Wann verhandel ich und frage nach und wann sollte ich besser mal die Klappe halten? 😉

To be continued …

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