Reisealltag: Zu viele Eindrücke

Ich habe vor kurzem während einer Bootstour neben William gesessen, einem etwa 50-Jährigen Dänen. Wie immer unter Reisenden sind wir schnell ins Gespräch gekommen. William hat mir erzählt, dass er seit über dreißig Jahren als einfacher Straßenarbeiter arbeitet. Durch den harten Knochenjob ist sein Körper nicht mehr der Fitteste. Trotzdem investiert er jeden seiner Urlaubstage in die unterschiedlichsten Reisen. Er hat bereits ganz Afrika bereist, während dort Bürgerkriege herrschten. Er war in vielen Teilen Europas unterwegs, in Südamerika, den USA, Asien und Australien. Dieser Neuseeland-Trip ist bereits sein Fünfter. Und selbst in der Antarktis war er schon.

Trotzdem saß William an der Rehling des Bootes und hat sich so sehr an dem Anblick des Strandes erfreut, dass ich ihn einfach bewundern musste. Denn die Küste Neuseelands ist zwar wunderschön, aber im Gegensatz zu dem, was er von der Welt bereits gesehen hat, muss sie eigentlich völlig unspektakulär erscheinen.

Obwohl ich erst einen Bruchteil von dem erlebt habe, bemerke ich immer öfter bei mir selbst, dass ich gewisse Momente nicht wertschätzen kann. Denn ich vergleiche.

Ich erinnere mich daran, dass ich zum Beispiel beim Schnorcheln am Great Barrier Reef in Australien dachte: „Auf den Gili-Inseln in Indonesien waren die Korallen aber viel schöner.“

Ein anderes Mal haben wir während unseres Roadtrips auf der Südinsel Neuseelands bei den „Pancake Rocks“ gehalten, eine einmalige und sehr beeindruckende Felsformation. Doch statt beeindruckt zu sein habe ich gemerkt, wie ich den Moment vergleiche: Mit meinem Trip zu den noch berühmteren Felsen, den 12 Aposteln an Australiens Küste.

Wie kann man Momente genießen und wertschätzen, obwohl sie sich wiederholen und teilweise gleichen?

Diese Frage habe ich William gestellt, denn wer den Eisberg der Titanic gesehen hat und trotzdem von einem einfachen Küstenstreifen in Neuseeland begeistert ist, muss eine Antwort auf diese Frage haben.

Die hatte er auch.

„Reset your brain!“ heißt sein einfaches Rezept. Statt ständig Situationen zu vergleichen hat er mir geraten, dass Gehirn jeden Morgen neu zu starten. Eindrücke abzuspeichern und Neue zuzulassen: Ohne Wertung. So gelingt es ihm immer wieder von Dingen begeistert zu sein, obwohl er bereits so viel gesehen und erlebt hat.

„Reset your mind“ – eine sehr gute Idee von William, die ich unbedingt öfter umsetzen möchte. Neuseeland eignet sich übrigens besonders gut als Übungsplatz dafür.

Hier mal ein kleiner Überblick über meine Erlebnisse in meinen ersten zehn Tagen hier am anderen Ende der Welt:

16.12. – Ankunft in Queenstown

17.12. – Trip zur steilsten Straße der Welt in Dunedin

18.12. – Camping im Fjordland

19.12. – Bootstour durch den Fjord „Milford Sound“

20.12. – Skydive in Wanaka

21.12. – Wandern auf dem Mount Cook

22.12. – Helikopter-Rundflug über und auf dem Franz Josef Gletscher

23.12. – Trip zu den Pancake Rocks in der Nähe von Greymouth

24.12. – Singen am Heiligabend mit 1.500 Einheimischen in Nelson

25. & 26.12. – Wandern im Abel Tasman Nationalpark 

Entschuldigt bitte meine Ausdrucksweise aber: „How the fuck and when shall I reset my fucking brain???“ 😉

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