Reisealltag: In 80 Tagen zu mir selbst

Ich weigere mich in diesem Jahr an dieser Stelle etwas über den 1. Advent zu schreiben. Bei 30 Grad bin ich nicht wirklich in Weihnachtsstimmung. 😉

Stattdessen diese nette Anekdote:

Jeder Traveler lässt sich auf einer seiner Reisen tätowieren. Das ist schon lange nichts Besonderes mehr. Genau aus diesem Grund wollte ich lange kein Tattoo haben. Und doch lag ich in Brisbane beim ersten Tätowierer direkt gegenüber unseres Hostels auf der schwarzen Pritsche.

Tattoo

Warum?

Weil es keine spontane Entscheidung war, sondern ein langer Prozess.

Wer mich kennt weiß: Bevor ich los gereist bin, bin ich in keine U-Bahn gestiegen ohne ganz genau zu wissen, wo ich um- und aussteigen muss. Ich war immer perfekt vorbereitet, habe nichts dem Zufall überlassen, in allen Lebenslagen. Ich wollte alles alleine schaffen, selbst jemanden nach dem Weg fragen zu müssen war mir unangenehm. Obwohl ich gern im Mittelpunkt stand, wollte ich niemals auffallen. Zumindest nicht negativ. Schwächen wollte ich nie nach Außen hin zeigen, ich hatte kaum Ecken und Kanten. Ein ehemaliger Chef bei einem Radiosender hat das mal mit wenigen Worten auf den Punkt gebracht. Er sagte: „Du bist aalglatt, zu perfekt, so einen Charakter on air will keiner hören!“

Tattoo2

Auch deshalb bin ich jetzt in der Welt unterwegs. Und das mittlerweile seit über 11 Wochen: Immer spontan, immer ohne Plan. Wenn ich morgens aufwache weiß ich manchmal nicht, wo ich abends schlafen werde. Ich buche den günstigsten Flieger in ein fremdes Land, stelle bei der Ankunft fest, dass der Flughafen zig Kilometer außerhalb der Stadt liegt und schaue erst dann, wie ich überhaupt weiter komme. Ich frage nicht nur nach dem Weg, sondern sogar nach Kleingeld für den Bus. Ich mache Fehler, ärgere mich und lache darüber.

Natürlich verändern solche Abenteuer wie meine Reise die eigene Persönlichkeit. Das ist auch gut so. In meinem Fall hilft sie mir aber auch dabei, nach einer orientierungslosen Zeit wieder zurück zu mir selbst zu finden.

Mehr als die Hälfte meiner Zeit in Asien habe ich auf Inseln oder am Wasser verbracht. Auch meine momentane Reise entlang der Ostküste Australiens zeigt mir jeden Tag aufs Neue in welchen Momenten ich am glücklichsten bin und was mir so lange gefehlt hat:

Tattoo Jules

Wind und Wasser. Deiche und Dünen. Schiffe und Schafe. Möwen und Matjesbrötchen. Und meine Familie. Mein Anker. Diese Erkenntnis darf auch mal unter die Haut gehen.

Ein Tattoo auf Reisen ist schon lange nichts Besonderes mehr. Und doch ist es das für mich.

5 Kommentare

  1. Jörg
    1. Dezember 2016 / 22:37

    *grins* Hach, richtig Hanseatic…. ein Anker ist ein muss,

    • Julia Meyer
      Autor
      2. Dezember 2016 / 6:56

      Das dachte ich mir auch. Auch wenn viele Tattoo-Fans mit den Augen rollen, wenn sie das sehen 😉

      • Marcus
        18. Oktober 2020 / 2:18

        Hallo Julia,

        ich weiß ehrlich gesagt nicht, was an einem Anker-Tattoo schlimm bzw. klitscheehaft sein soll (Um welches Klitschee soll es hierbei gehen?)? Ich habe mir selbst einen Anker in der Form eines Herz-Kreuz-Ankers vorletzten Sommer am rechten Innenknöchel tätowieren lassen und trage das Tattoo als Symbol für die christlichen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung mit Stolz.

        LG Marcus

        • Julia Meyer
          Autor
          19. Oktober 2020 / 9:04

          Hi Marcus,
          vielen lieben Dank für deine Nachricht! Ich komme aus dem Norden und da hat tatsächlich fast jedes Mädel ein Anker-Tattoo. Und generell kommt es häufiger vor, dass Reisende sich unterwegs ihre ersten Tattoos stechen lassen. Deshalb habe ich in diesen Zusammenhängen das Wort „Klischee“ gewählt. Ich verstehe dich aber total: auch mein Anker-Tattoo hat für mich eine ganz besondere Bedeutung. Ich trage es übrigens auch am rechten Innenknöchel 🙂

          Viele liebe Grüße und bleib gesund!
          Julia

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